Wer ist eigentlich..? | 012

Der Veranstalter

..wenn Erlebnisse unvergesslich werden

 

Amelie:

Herzlich Willkommen zurück Tairon! Nachdem wir uns am vergangenen Mittwoch über die G-Fleet unterhalten haben, möchte ich im heutigen Interview noch etwas mehr über Dich selbst in Erfahrung bringen. Daher lass uns am besten direkt mit der ersten Frage beginnen und den Lesern zunächst erstmal erzählen wer Du überhaupt in EVE bist?

Tairon Usaro:

Mein Name ist Tairon Usaro und ich bin ein Teil des G-Fleet Teams.

Amelie:

Ja, dank eurer Veranstaltung dürften Dich so einige unserer Leser bereits kennen. Wie lange spielst Du eigentlich schon EVE und wie bist Du damals auf dieses Spiel aufmerksam geworden?

Tairon Usaro:

Mein Leben als Kapselpilot begann im Jahr 2006, als ich mich von Star Wars Galaxies abgewendet und EVE Online zugewandt habe. Und lustigerweise wusste ich schon welcher Corporation ich beitreten würde, bevor ich den Client installiert hatte.

Amelie (lacht):

Wie geht denn sowas?

Tairon Usaro:

Einige Mitglieder meines ehemaligen Star Wars Galaxies Clans hatten EVE bereits im Vorfeld für sich entdeckt und dort eine Corporation namens The X-Trading Company gegründet. In dieser Spielervereinigung fokussierten sie sich auf jegliche Carebearaktivitäten denen man im NullSec so nachgehen konnte und vertraten ein sehr kommunistisches Grundkonzept.

Amelie:

Das heißt?

Tairon Usaro:

Das heißt, dass man dort all die feinen und tollen Phänomene beobachten konnte, die der Kommunismus so mit sich bringt – wie beispielsweise eine beachtliche Corp.-Steuer von 100%. Ich wage sogar fast zu behaupten, dass man den Kommunismus dort besser studieren konnte als es einem beim Lesen von Animal Farm bislang möglich gewesen ist. Ansonsten lässt sich über die Corporation noch sagen, dass sie eines der Gründungsmitglieder von Xetic, der größten Allianz vor Goonswarm, war.

Amelie (lacht):

Da gab es tatsächlich mal jemand anderes?

Tairon Usaro (lacht):

Durchaus. Die Allianz hatte sich bereits kurz nach Release des Spiels gegründet und war im Süden ansässig. Daraus ist übrigens später die Ascendant Frontier entstanden, welche den ersten Titan in New Eden gebaut hat.

Amelie (lacht):

Der erste Titan .. so etwas klingt für jüngere Kapselpiloten wie mich nach einem sehr historischen Ereignis.

Tairon Usaro:

Es war ja auch eine historische Zeit. Ich erinnere mich zum Beispiel noch an eine Kampagne im Jahr 2006 zurück, als Xetic unter dem Verdacht stand einen Titan zu bauen, obwohl es in Wirklichkeit nur ein Mothership gewesen ist.

Amelie (lacht):

Der vermeintliche Bau einer solchen Massenvernichtungswaffe hat bestimmt ordentlich für Aufsehen gesorgt, oder?

Tairon Usaro:

Auf jeden Fall, als das Gerücht aufkam schlossen sich selbst verfeindete Parteien zusammen um die POS, in welcher der Zusammenbau angeblich stattfinden sollte, zu zerstören. Dementsprechend begannen die Leute das System rund um die Uhr zu becampen und vernichteten letzten Endes die Struktur.

Amelie:

Nun gab es ja aber gar keinen Titan, sondern lediglich das, sich in der Produktion befindliche, Mothership. Habt ihr jenes an diesem Tag verloren?

Tairon Usaro:

Nein, da das Mothership zehn Minuten bevor die Belagerung begann an den damaligen Kunden ausgeliefert wurde. Demnach konnten wir ganz entspannt dem Treiben in unserem System zusehen und ehrlich gesagt hat mich dieses Ereignis regelrecht begeistert.

Amelie:

Aber wenn das doch alles so aufregend war, wieso hast Du Dich im Nachhinein trotzdem dazu entschieden die Corporation zu verlassen?

Tairon Usaro:

Ich habe es letzten Endes einfach nicht mehr ertragen immer der Allergleichste zu sein.

Amelie:

Hat die Führung denn damals wenigstens versucht Dich vom Bleiben zu überzeugen?

Tairon Usaro:

Ja, als ich meinen Weggang angekündigte wollten sie mich sogar mit einem Titan locken.

Amelie (lacht):

Das hat jedoch allem Anschein nach nicht funktioniert, oder?

Tairon Usaro (lacht):

Nein, auf keinen Fall. Ich meine, ich bin mehr als fünf Jahre ihren Doktrinen hinterher gelaufen, die eigentlich nur dazu gedacht waren die Leute von ihren Schiffen fernzuhalten.

Amelie (lacht):

Wie schafft man es sowas mit einer Doktrin zu erreichen?

Tairon Usaro:

In dem man das Fitting in regelmäßigen Abständen so ändert, dass die meisten Mitglieder jedes mal aufs Neue wieder vor der Misere stehen, es nicht komplett fliegen zu können.

Amelie:

Das hört sich wirklich gemein an.

Tairon Usaro:

Der Kommunismus hatte sich in dieser Corporation eben vollends entfalten können. Dementsprechend wurden die normalen Mitglieder klein gehalten, während sich die anderen in ISK schwelgten und darüber philosophierten wie gerecht die Ressourcenverteilung doch sei.

Amelie:

Was hast Du im Anschluss an deinen Abgang gemacht?

Tairon Usaro:

Nachdem ich die X-Trading Company an den Nagel gehängt hatte bin ich endlich einer anständigen Spielervereinigung, den Jungs von ZERO T0LERANCE, beigetreten.

Amelie:

Und was begeistert Dich seither an EVE?

Tairon Usaro:

Die Community. Falls sich also wieder irgendetwas an der Spielmechanik ändert, zucke ich lediglich mit den Schultern und freue mich auf die nächste G-Fleet.

Amelie:

Demnach bist Du für den Content gekommen und wegen den Leuten geblieben?

Tairon Usaro (lacht):

Ja, so könnte man es ausdrücken.

Amelie:

Gibt es denn irgendwelche Momente, sei es in EVE oder gar auf der G-Fleet, an welche Du Dich selbst heute noch gerne zurück erinnerst?

Tairon Usaro:

Oh ja, ich erinnere mich diesbezüglich an so manch unvergesslichen Pub Crawl.

Amelie:

Magst Du mir kurz erklären worum es bei diesen sogenannten Pub Crawls geht?

Tairon Usaro:

Nun ja das Fanfest besteht eben nicht nur aus den Vorträgen welche man im Internet finden kann, sondern ebenfalls aus dem berüchtigten Pub Crawl, mit dem CCP die Veranstaltung bewirbt. Jene Leute, die also dort hin gehen können gemeinsam mit den anderen Teilnehmern und den Developern Reykjavik aufmischen. Dabei ziehen sie in kleineren Gruppen von Kneipe zu Kneipe – wobei die in der Gruppe befindlichen Devs die Reihenfolge der Lokale vorgeben.

Amelie:

Hast Du da eventuell ein kleines Highlight über das Du mir gleich in diesem Atemzug berichten möchtest?

Tairon Usaro:

Aber sicher doch! Es gab zum Beispiel mal einen Spieler, der es geschafft hat sich beim ersten Brennivin, welcher vor Beginn des Events getrunken wird, abzuschießen.

Amelie:

Was ist denn ein Brennivin?

Tairon Usaro:

Das ist ein isländisches Nationalgetränk was die Kategorie der Schnäpse betrifft.

Amelie (lacht):

Alles klar, wie ging es weiter?

Tairon Usaro:

Es ging damit weiter, dass derjenige unansprechbar auf der Straße lag, noch bevor wir im ersten Pub einen Zwischenstop machen wollten. Wir standen also da und wussten, dass wir ihm irgendwie helfen mussten. Allerdings waren keine brauchbaren Informationen aus ihm herauszubekommen. Daher sprach ich die Security eines der Pubs an und fragte ihn ob er uns nicht dabei unter die Arme greifen könne. Daraufhin begann die Security den auf dem Boden liegenden Spieler zu filzen und fand einen Schlüssel den er wohl einer Location zuordnen konnte. Dementsprechend hatten wir endlich eine Adresse wo der gerufene Taxifahrer ihn abliefern könnte.

Amelie:

Der Taxifahrer war davon aber nicht so begeistert, oder?

Tairon Usaro:

Nein, er meinte nach einem Blick auf den Spieler, dass wir das vergessen könnten und einer von uns mitfahren müsse.

Amelie:

Und derjenige warst Du?

Tairon Usaro:

Korrekt. Ich setzte mich also in Taxi und lieferte den armen Typen in seinem Appartment ab. Doch alsbald ich die Tür hinter mir geschlossen hatte, um zurück zum Pub Crawl zu laufen, stellte ich fest, dass ich mein Portemonnaie in seinem Zimmer vergessen hatte.

Amelie:

Wieso lag es denn dort?

Tairon Usaro:

Ich legte es beiseite um ihn besser aufs Bett hieven zu können. Und nun stand ich da vor seiner Tür und musste ihn sozusagen von den Toten aufwecken, da sich der Schlüssel ja ebenfalls nicht mehr in meinem Besitz befand. Glücklicherweise hat er das jedoch irgendwie mitbekommen und öffnete mir die Tür bevor er sich wieder zurück ins Bett verkroch und direkt weiter schlief. Ich nahm daher mein Portemonnaie, machte mit meinem Handy fix ein Foto von seinem Namensschild und lief dann zurück zu den anderen.

Amelie:

Hast Du ihn im Nachhinein mal auf den Abend angesprochen?

Tairon Usaro:

Zunächst habe ich ihn lediglich auf die Watchlist gesetzt – damals konnte man ja immerhin noch sehen, wann derjenige online ist. Und nach etwa einem halben Jahr war er mal wieder in New Eden unterwegs.

Amelie (lacht):

Willst Du mir sagen, dass er ein halbes Jahr zum Ausnüchtern gebraucht hat?

Tairon Usaro (lacht):

Um Gottes Willen! Nein, ich hatte ihn zuvor bloß nie erwischt.

Amelie (lacht):

Und an diesem Tag hast Du die Gelegenheit wahrgenommen?

Tairon Usaro:

Ja, ich schrieb ihn an und fragte ob er nicht auch beim Fanfest gewesen wäre. Nachdem er das dann bestätigte und wissen wollte, woher ich das wüsste, sagte ich ihm dass ich ebenfalls dort teilgenommen hätte und sprach ihn auf den Pub Crawl an. Daraufhin sagte er, dass er dort nicht allzu lange gewesen ist und ich fragte nach, wie er denn wohl an dem Abend nach Hause gekommen sei. Und da dämmerte es ihm, wer ich eigentlich bin.

Amelie (lacht):

Das nenne ich mal eine sehr kuriose Begegnung.

Tairon Usaro (lacht):

Die gibt es auf solchen Treffen des öfteren. Mir wurde beispielsweise auch von dem guten Lukas erzählt, dass er nach dem ersten Abend der G-Fleet vor der Polizei geflüchtet wurde.

Amelie (lacht):

Bitte was?

Tairon Usaro:

Sagen wir, er gehörte wohl nicht mehr zu den aller ansprechbarsten, als seine Kumpels ihn alleine vor dem Mc Donalds abstellten und drinnen versuchten ihren Alkoholpegel mit ein paar Burgern zu kompensieren. In dem Moment muss wohl die Polizei vorgefahren sein und ihn dort gesehen haben, wie er auf der Wiese ein Nickerchen hielt.

Amelie (lacht):

Wie konnte er denn da flüchten – ist er etwa Schlafgewandelt?

Tairon Usaro (lacht):

Nein, seine Freunde haben ihn ganz schnell von der Wiese geschafft und in ein Taxi geräumt. Insofern war es nicht verkehrt seinen Vortrag am nächsten Tag auf den Nachmittag zu legen. Ich kenne ja meine Pappenheimer.

Amelie (lacht):

Wie aufmerksam von Dir! War deine Meinung über die anderen deutschen Kapselpiloten eigentlich schon immer so positiv oder hat sich das alles erst im Laufe der Zeit entwickelt?

Tairon Usaro:

Meine Meinung über die deutsche Community ist von Anfang an recht positiv gewesen. Natürlich gibt es in EVE, sowie im Reallife, immer mal wieder jemanden mit dem man nicht so gut auskommt. Solche Begegnungen haben meine Ansichten jedoch in keinster Art und Weise verändert.

Amelie:

Du hast also auch negative Erfahrungen gemacht?

Tairon Usaro:

Bei der letzten G-Fleet ist etwas geschehen, was wirklich totaler Mist gewesen ist und worauf wir alle gut und gerne hätten verzichten können. Und zwar gab es eine Skulptur, die für die Verlosung angefertigt worden ist und selbstverständlich waren alle Teilnehmer sehr ambitioniert diese zu gewinnen – immerhin war es ein echter Hingucker. Allerdings war der besagte Gewinn am Samstagmorgen verschwunden, obwohl wir sie am Freitagabend noch in der Vitrine stehen gesehen hatten.

Amelie:

Oh nein, echt?

Tairon Usaro:

Ja, das war tatsächlich mehr als ärgerlich.

Amelie:

Wie seid ihr mit dieser Situation umgegangen? Ich stelle mir das nämlich wie einen ziemlich derben Tiefschlag vor.

Tairon Usaro:

Das war es auch. Nichtsdestotrotz hat die Community an diesem Tag mal wieder bewiesen, wie groß der Zusammenhalt binnen der Spieler ist. Denn nachdem sich der Ersteller der Skulptur dazu bereit erklärt hatte eine neue anzufertigen, haben die Teilnehmer zusammengelegt, so dass der eigentliche Gewinner seinen Preis dennoch irgendwann in den Händen halten darf.

Amelie:

Da bin ich sprachlos. So ein Teamwork verdient meine größten Respekt.

Tairon Usaro:

Oh ja, das tut es definitiv. Das gute daran ist auch, dass Community in solchen Momenten bislang immer super zusammengearbeitet hat. Im Jahr zuvor hatten wir zum Beispiel einen Spieler, der sich so abgeschossen hat, dass seine Geldbörse am Abend mitten im Raum lag. Als die dann jemand fand, wurde sie bei uns abgegeben, so dass wir ihm sein Portemonnaie am nächsten Tag wieder in die Hand drücken konnten.

Amelie:

Somit ist es fast noch trauriger, dass gewisse Leute dieses Mitgefühl nicht teilen, oder?

Tairon Usaro:

Richtig. Ich meine ich kann mir durchaus vorstellen, dass der Diebstahl der Skulptur so etwas ähnliches war, wie einen Maibaum im Suff zu stehlen. Und hätte derjenige dies zugegeben und sich für sein Verhalten entschuldigt, wäre das Thema für mich ehrlich gesagt auch vom Tisch gewesen. So ist es jedoch einfach nur schade.

Amelie:

Um das Miteinander innerhalb der deutschen Spielergemeinschaft zu stärken, gibt es ja unter anderem auch die Veranstalter der DeuComm, welche sich Woche für Woche darum bemühen die Leute etwas näher zusammen zu bringen. Wie denkst Du darüber?

Tairon Usaro:

Ich denke darüber überaus positiv. Denn es ist in meinen Augen bemerkenswert, was die involvierten Piloten dort regelmäßig auf die Beine stellen und vor allem was Otto Erich Stollmmler für diese Plattform bislang an tollen Menschen zusammengetragen hat.

Amelie:

Mit was für einer Einstellung sollten Neulinge eigentlich deiner Meinung nach heutzutage an das Spiel rangehen?

Tairon Usaro:

Zuallererst sollten sie nicht in dem Irrglauben leben, dass es sich nicht mehr lohnen würde als neuer Kapselpilot in dieses Spiel einzusteigen. Denn obgleich dieses Thema bereits relativ oft debattiert wurde, halte ich es nach wie vor für eine total irrelevante Diskussion und spätestens nach der Einführung der Skill Injektoren kann man aus dem Argument, dass die anderen ja schon viel weiter wären, recht schnell die Luft rauslassen.

Zusätzlich kann ich den Anfängern die Public Events der DeuComm nur an Herz legen, da man mit einer dortigen Teilnahme an und für sich nichts verkehrt machen kann. Immerhin sind sie gezielt darauf ausgelegt gerade den jüngeren Spielern unter die Arme zu greifen.

Amelie:

Wie lange sitzt Du überhaupt vor dem PC um EVE zu spielen?

Tairon Usaro:

Ich komme auf ungefähr zwei Stunden je Woche – also echte Spielzeit exklusive aller organisatorischen Dinge die ingame so anfallen.

Amelie (lacht):

Das hört sich ehrlich gesagt ziemlich nach mir an. Auf welche Zeit würdest Du mit allem drum und dran kommen?

Tairon Usaro:

Uff.. das kann ich Dir gar nicht so genau sagen. Allerdings kommt es schon des öfteren mal vor, dass gewisse Abende komplett von solchen Angelegenheiten blockiert werden.

Amelie:

Ja,  so etwas kann durchaus seinen Tribut fordern. Gibt es denn noch irgendetwas was Du unseren Lesern mit auf den Weg möchtest, bevor sich das Interview gleich dem Ende neigen wird?

Tairon Usaro:

Als Spieler würde mir da ehrlich gesagt nichts einfallen.

Amelie (lacht):

Wie? Das kannst Du nicht bringen. Du wärst der erste!

Tairon Usaro (lacht):

Tut mir leid.

Amelie (lacht):

Na gut dann hülle Dich eben in Schweigen. Ich bedanke mich dennoch ganz herzlich bei Dir für das wirklich aufschlussreiche und interessante Gespräch – es war mir eine absolute Freude!

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