Wer ist eigentlich..? | 011

Der Adrenalinjunkie

..so macht PVP richtig Spaß

 

Amelie:

Schön das Du da bist ONeill! Nachdem wir uns am vergangenen Mittwoch bereits über die Sonntagsflotten unterhalten haben, möchte ich Dir heute noch ein paar Fragen zu deiner eigenen Wenigkeit stellen. Von daher erzähl uns doch bitte zunächst erstmal wer Du überhaupt in EVE bist?

ONeill HGM:

Grundsätzlich bin ich jemand, der bei den Leuten ein durchaus positives Ansehen genießt, da ich mich zum einen um die Ausbildung heranwachsender FCs kümmere und zum anderen ebenfalls die Eingliederung junger Kapselpiloten ins Spiel unterstütze. Allerdings gibt es auch Spieler, welche mich gerne tot sehen würden, weil ich sie irgendwann mal aus ihrem Schiff geschossen habe.

Amelie:

Und wie siehst Du das ganze?

ONeill HGM:

Grundlegend sehe ich mich als jemanden, der stets bemüht ist den Anfängern ihren Einstieg in das Spiel zu erleichtern und ihnen insbesondere im Hinblick auf das PVP die Mechaniken etwas schmackhaft machen möchte.

Amelie:

Das ist doch ein guter Ansatz! Wie lange spielst Du eigentlich schon EVE und wie hast Du überhaupt nach New Eden gefunden?

ONeill HGM:

Ich glaube ich bin im Jahr 2003 auf das Spiel aufmerksam geworden, als mich mein Bruder auf die glorreiche Idee brachte mir das ganze einfach mal anzuschauen. Jedoch muss ich zugeben, dass der Einstieg für mich ziemlich schwer gewesen ist, da das Game damals noch nicht multilingual ausgelegt war und man sich durch die fehlenden erfahreneren Spieler alles Stück für Stück selbst beibringen musste. Auf jeden Fall holte mich mein echtes Leben irgendwann ein und ich musste das Spiel für ungefähr zwei Jahre beiseite legen, da ich einfach keine Zeit mehr dafür aufbringen konnte – bis ich mein Comeback feierte und erneut versuchte in EVE Online Fuß zu fassen.

Amelie:

Was begeistert Dich denn so an diesem Spiel das Du selbst heute immer noch mit dabei bist?

ONeill HGM:

Nun ja, das schöne an diesem Game ist, dass es mich nicht süchtig macht.

Amelie (lacht):

Wie ist das möglich?

ONeill HGM (lacht):

Indem man das ganze aus der Perspektive betrachtet, dass man sich in EVE Online ausloggen kann und einem dennoch das Gefühl des Fortschritts vermittelt wird, da die Skills ja trotz alledem weiterlaufen. Ich bin diesbezüglich auch ehrlich gesagt der Meinung, dass das ein durchaus gutes Konzept für junge Mitspieler ist, weil sich nämlich insbesondere Einsteiger am Anfang nach den ersten Erfolgen sehnen. Schaut man sich im Vergleich dazu Spiele wie WoW an stellt man fest, dass man dort eher Gefahr läuft erfolgsgeil zu werden und nicht mehr von dieser virtuellen Welt loszukommen, da man dort nur etwas erreichen kann, wenn man tatsächlich online ist.

Amelie (lacht):

Gut, aus diesem Blickwinkel habe ich das ehrlich gesagt nie betrachtet. Gibt es denn sonst noch etwas, was Dich an diesem Spiel fasziniert?

ONeill HGM:

Selbstverständlich. Ein weiterer positiver Aspekt von EVE ist, dass man sich entweder für das Risiko oder die Sicherheit entscheiden kann. Lagert man seine Assets also beispielsweise auf einer Zitadelle besteht immer die Gefahr, dass man seine Gegenstände beim Abschuss des Komplexes verliert beziehungsweise sie für eine bestimmte Summe an ISK wieder auslösen muss. Wohingegen man sich auch für die Lagerung auf einer NPC Station entscheiden könnte, auf der die Assets vor anderen Spielern sicher sind.

Amelie:

Das heißt Dir gefällt die Tatsache, dass sich die Kapselpiloten in ihrer Spielweise frei entfalten können. Da stellt sich mir die Frage, wie Du deine Spielzeit am liebsten verbringst?

ONeill HGM:

Ich bevorzuge definitiv das Risiko und das damit verbundene Adrenalin. Daher verbringe ich meine Zeit am liebsten mit PVP.

Amelie:

Wie bist Du denn zum PVP gekommen?

ONeill HGM:

Mein Bruder hatte mich eines Tages zu einem Ausflug ins LowSec überredet. Aufgrund dessen sind wir gemeinsam durchs Gate gehüpft – er in seiner Dramiel und ich in meiner Vexor. Irgendwann sind wir dann bei unserem Roam auf eine Megathron gestoßen, auf welche wir auch alsbald das Feuer eröffneten. Und obwohl ich während des Gefechts drei oder vier mal raus warpen musste, schafften wir es dennoch den  Feind erfolgreich in seine Einzelteile zu zerlegen. Das weckte die Lust auf mehr.

Amelie:

Hast Du Dir die Mechaniken des PVPs eigentlich selbst beigebracht oder hat Dir dabei jemand unter die Arme gegriffen?

ONeill HGM:

Ich habe mir das alles mehr oder weniger selbstständig angeeignet. Denn nach den groß angelegten Kämpfen im NullSec, waren die Flottenkommandeure immer recht schnell wieder von der Bildfläche verschwunden, obgleich noch viele unserer Piloten Lust auf einen weiteren Roam gehabt hätten. Das brachte mich dazu eigenverantwortlich kleinere Flotten zu organisieren, weil sich sonst kein anderer auf die Position des FCs begeben wollte. Im Laufe der Zeit habe ich mir so Stück für Stück einen Ruf aufgebaut, bis ich letzten Endes gefragt wurde, ob ich ebenfalls Interesse daran hätte offizielle Fleets zu übernehmen – woraufhin ich natürlich zustimmte.

Amelie:

Und seit dem bist Du quasi als anerkannter Kommandeur in New Eden unterwegs?

ONeill HGM:

Richtig, seit jeher veranstalte ich regelmäßig irgendwelche Flottenarrangements und bin nebenbei in der Piraterie tätig. Dementsprechend bin ich kein ausschließlich netter Zeitgenosse.

Amelie (lacht):

Ein Pirat bist Du also auch noch?

ONeill HGM (lacht):

Ja, tatsächlich habe ich mich bereits des öfteren in eine Catalyst gesetzt und damit diverse Hulks und Mackinaws im HighSec abgeschossen. Daher würde ich schon behaupten, dass ich durch und durch ein Pirat bin.

Amelie (lacht):

Bist Du denn wenigstens einer von der lieben Sorte oder doch bis aufs Blut verbittert?

ONeill HGM:

Sofern ich einen Anfänger erwische, bei dem ich im Nachhinein auch sehe das er wirklich einer ist, kommt es durchaus vor, dass ich ihm die ISK für seinen Verlust teilweise beziehungsweise vollständig wieder zurück überweise.

Amelie:

Somit schlummert selbst in einem Piraten ein gutes Herz. Hast Du Dich eigentlich komplett von den sogenannten Carebearaktivitäten abgewendet?

ONeill HGM (lacht):

Ehrlich gesagt bin ich mittlerweile sogar wieder zu einem halben Bärchen mutiert. Ich sitze also ab und zu im Belt und verwende die Schiffe, welche ich früher als Warpin für meine Ganker genutzt habe, für ihren ursprünglich angedachten Zweck. Die Materialien die ich daraus erhalte wandern jedoch direkt in die Produktion damit ich mir neue Schiffe für den Krieg zusammenschrauben kann. Dementsprechend ist mein PVP Herz dennoch vollends befriedigt, weil mir das alles eine Grundlage für weiteres pew pew liefert.

Amelie (lacht):

Das ist ein ziemlich unerwarteter Plottwist.

ONeill HGM (lacht):

Vor ein paar Jahren wäre das für mich ebenfalls noch viel zu weit hergeholt gewesen – immerhin war ich damals ein Vollblut PVPler, welcher immer über alles Bescheid wusste.

Amelie:

Hast Du da gar keine Angst, dass sich die Leute, welche Du früher abgeschossen hast, nun an Dir rächen wollen?

ONeill HGM:

Manche von ihnen haben das sogar schon versucht. Allerdings weiß man als Pirat eben auf welche Schwachstellen die Ganker bei einem Mining Schiff achten. Von daher fitte ich keinen unnötigen Schnick Schnack, sondern packe meine Barges bis oben hin mit Deff zu. An diesen Fittings beißen sich selbst bekannte Ganker Allianzen die Zähne aus. Jedoch kann ich auch von vornherein ausschließen, dass ich jemals zu einem ganzen Carebear mutieren werde, da ich das PVP und meine Rolle als Kommandeur einfach nicht missen möchte.

Amelie:

Das ist ein gutes Stichwort. Ich würde nämlich gerne wissen,  was Dir eigentlich genau an der Tätigkeit des FCs gefällt – ist es die Tatsache, dass Du alle durch die Gegend kommandieren kannst, der Fakt das Du Dich wie eine Art Held gebraucht fühlst oder einfach die Möglichkeit dein Wissen über die Kampfmechaniken an andere Spieler weiterzugeben und gleichzeitig Spaß zu haben?

ONeill HGM:

Grundlegend ist es von allem ein bisschen. Insbesondere am Anfang musste ich ja erstmal Leute finden und denen zeigen wie man im PVP überlebt – wobei ich dann die Rolle des Ausbilders übernommen habe. Und ansonsten genieße ich einfach das Vertrauen der Leute in meine Entscheidungen. Allerdings sehe ich die Position des FCs keineswegs als Machtposition an, also so, als ob ich der alleinige Boss wäre. Denn zum einen dreht es sich beim PVP um die Zusammenarbeit des gesamten Teams und zum anderen macht es mir ganz besonders viel Spaß wenn man sich die Erfolge gemeinsame erarbeitet.

Amelie (lacht):

Gut zu wissen, dass Du nicht die Weltherrschaft an Dich reißen willst.

ONeill HGM (lacht):

Ich denke das würde sich auch recht schwierig gestalten.

Amelie:

Bist Du denn eher jemand der mit einer gewissen Taktik an die Fights ran geht oder spielst Du lieber Rambo und stürzt Dich einfach mitten ins Geschehen um dann wie wild um Dich zu ballern?

ONeill HGM:

Auch da ist es ehrlich gesagt eine Mischung aus beidem. Wobei es bei einer Public Fleet fast unmöglich ist strategisch an den Feind heranzutreten – immerhin weiß man im Vorfeld nie wie viele Ressourcen einem zur Verfügung stehen und was die Teilnehmer überhaupt fliegen können. Dementsprechend muss man als FC in der Lage sein, mit dem zu arbeiten was da ist. Ich persönlich versuche daher Taktik und Action in einem Hit and Run Manöver miteinander zu verbinden. Wir springen also meist auf 0 an den Gegner ran, versuchen mit den überhitzten Waffen so viel Schaden wie möglich zu verursachen und warpen danach wieder zügig vom Feld.

Amelie:

Was sind eigentlich deiner Meinung nach die drei wichtigsten Eigenschaften eines Flottenkommandeurs?

ONeill HGM:

Verantwortung, Verantwortung und Verantwortung. Das ist meiner Meinung nach das einzige was ein heranwachsender FC am Anfang wirklich braucht. Denn für die Taktik bekommt man im Laufe der Zeit ein Gefühl und das ganze Wissen kann man sich problemlos aneignen.

Amelie:

Das hört sich auf jeden Fall vernünftig an. Worum geht es Dir eigentlich persönlich beim PVP?

ONeill HGM:

Mir ist beim PVP wichtig, dass ich beinahe einen Herzkasper bekomme und nach dem Kampf am besten direkt auf Toilette verschwinden muss, weil ich mir vor Aufregung beinahe ins Höschen gemacht habe. Der Rausch den man im Kampf erfährt ist für mich also das A und O. Obgleich man als erfahrener FC schon recht krasse Dinge abziehen muss um nach all der Zeit immer noch nervös zu werden. Allerdings sorgen die Public Fleets dabei für eine gesunde Abwechslung. Denn es ist herrlich, wenn man im Teamspeak sitzt und die Angst der Anfänger auf sich wirken lässt, sobald diese anfangen laut im Gefecht zu sterben beziehungsweise vor dem ersten Feindkontakt Panik schieben. Und wenn man mit eben diesen furchterfüllten Beginnern am Ende einen Erfolg verbuchen kann und sie sich selbst und die Flotte so richtig feiern, bestätigt es mir jedes mal aufs neue das ich das noch eine ganze Weile lang machen möchte.

Amelie:

Hört sich so an als ob Du ein Adrenalinjunkie bist der den Kick sucht?

ONeill HGM:

Selbstredend! Es kann auch schon mal passieren, dass ich vor lauter Aufregung zu viel Cola trinke und daraufhin den Rest des Abends wie wild am babbeln bin.

Amelie (lacht):

Das klingt nach jeder Menge Spaß. Wie lange sitzt Du eigentlich circa täglich vor dem PC um deiner PVP Leidenschaft nachzugehen?

ONeill HGM:

Pro Tag kommen meist so um die zwei bis drei Stunden zusammen – je nachdem wie es mein Reallife eben zulässt.

Amelie:

Alles klar. Dann wäre meine letzte Frage, ob es noch irgendetwas gibt was Du unseren Lesern mit auf den Weg geben möchtest?

ONeill HGM:

Ja und zwar dass die Leute gerne mal vorbeikommen können, um an einem der Public Events teilzunehmen. Alternativ können sie auch versuchen meine Mining Alts zu finden und diese über den Haufen zu schießen – ich bin jederzeit für neue Herausforderungen offen.

Amelie (lacht):

Mal sehen wer sich dafür finden lässt. Danke für das tolle Interview!

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