Sonntagsflotten

Amelie:

Hallo und herzlich Willkommen auf unserem Blog ONeill! Es freut mich wirklich sehr, dass Du die Zeit gefunden hast um mich über euren Beitrag zur deutschen Community aufzuklären – genauer gesagt über die durchaus berüchtigten Sonntagsflotten. Diesbezüglich würde ich zunächst einmal gerne wissen, wie es überhaupt dazu gekommen ist, dass Du eine Veranstaltung im Namen der Stillen Gewalt organisierst, obwohl Du sogesehen gar kein bestehendes Mitglied dieser Spielervereinigung bist?

ONeill HGM:

Grundsätzlich verbindet die Jungs von der Stillen Gewalt und mich eine langjährige gemeinsame Vergangenheit, deren Ursprung in einem Blue Standing zwischen ihnen und meiner ehemaligen Allianz GONE BERZERK liegt. Denn während ich mich im Laufe meiner EVE Karriere fleißig zum FC hoch mauserte, veranstaltete ich für diese Truppe regelmäßig ein paar Fleets – zumindest so lange bis mich mein echtes Leben in Beschlag nahm und ich keine Zeit mehr für dieses Spiel aufbringen konnte. Nachdem der ganze Trouble jedoch ein Ende fand und ich nach einer gefühlten Ewigkeit wieder in New Eden einkehrte, erkundigte ich mich bei ihnen, ob ich meiner alten Tätigkeit weiterhin nachgehen könnte. Glücklicherweise stimmten sie dieser Bitte zu und so kam es, dass ich fortan das Flottenprogramm am Sonntagabend unter meine Fittiche nahm.

Amelie (lacht):

Das war also sozusagen die Geburtsstunde der Sonntagsflotten?

ONeill HGM:

Genau. Seit diesem Tag stelle ich jede Woche eine öffentliche Flotte auf die Beine.

Amelie:

Dann liegt dem ganzen ja tatsächlich eine weit zurückreichende Tradition zu Grunde, oder?

ONeill HGM (lacht):

Definitiv. Diese Veranstaltung besitzt auf jeden Fall einen traditionellen Touch.

Amelie:

Wenn Du aber sagst, dass Du das alles schon seit längerer Zeit arrangierst, stellt sich mir die Frage wie viel Planung und Organisation eigentlich noch hinter so einem Event steckt?

ONeill HGM:

Das meiste hat sich im Laufe der Jahre mehr oder weniger zur einer gewohnten Routine entwickelt. Wohingegen man anfangs also totale Panik schob, ob nun insbesondere bei den Fittings alles passen wird, gehe ich heute recht entspannt an die ganze Sache heran. Weiterhin muss ich zugeben, dass ich mittlerweile sogar Gefallen an den Fregatten gefunden habe, obgleich ich diese zu Beginn meines Kapselpiloten Daseins überhaupt nicht leiden konnte. Denn sobald man sich mit anfängerfreundlichen Doktrinen auseinandersetzt stellt man relativ schnell fest, dass sich solche Schiffe einfach wunderbar dafür eignen – immerhin ist ein Einsteiger bereits nach kurzer Zeit in der Lage in eine Fregatte einzusteigen und obendrauf kann man sie ebenfalls recht günstig auf dem Markt erwerben.

Amelie:

Würdest Du da behaupten, dass bei so einer Veranstaltung überhaupt noch etwas schief gehen kann?

ONeill HGM (lacht):

Selbstverständlich! Als FC hat man stets das Problem, dass die Leute nicht nur gut geführt, sondern auch unterhalten werden wollen. Und sofern man diesen Anforderungen nicht gerecht wird, muss man gegebenenfalls mit der Konsequenz leben, dass die Piloten einen großen Bogen um deine Flotten machen.

Amelie:

Und was wäre diesbezüglich dein Geheimrezept?

ONeill HGM:

Nun ja, ich versuche die Spieler mit themenbezogenen Veranstaltungen zu locken, wie reinen Battleship oder Venture Fleets. Ich erinnere mich sogar an einen Sonntag zurück, an welchem wir gemeinsam mit unseren Carriern losziehen wollten. Allerdings hatte sich an diesem Abend keiner getraut tatsächlich abzudocken.

Amelie (lacht):

Warum nur?

ONeill HGM (lacht):

Keine Ahnung.

Amelie:

Man könnte also zusammenfassend sagen, dass Du jederzeit kleine Variationen in das Event einfließen lässt, damit das komplette Arrangement unterhaltsam bleibt?

ONeill HGM:

Richtig. Ich bemühe mich stets bei der Schiffsauswahl ein wenig herumzuspielen – selbst wenn sich das teilweise durchaus schwierig gestalten kann sofern man aufgrund eines Ereignisses plötzlich umdisponieren muss.

Amelie:

Durch welche Teile New Edens fliegst Du eigentlich mit deiner Flotte?

ONeill HGM:

Generell fliegen wir vor allem mit den Fregatten gerne ins NullSec. Denn das gute an dieser Schiffsklasse ist, dass sie die längeren Strecken relativ gut zurücklegen kann, wohingegen ein Cruiser in solchen Situationen eher unhandlich wird. Agilität entwickelt sich nämlich insbesondere dann zu einem Vorteil, wenn man auf Gebiete stößt in denen sich keinerlei Gegner herumtreiben, da die Flotte dadurch in der Lage ist sich recht zügig durch die Systeme zu bewegen. Allgemein kann es aber gerade bei Ausflügen ins LowSec dazu kommen, dass wir erst eine gewisse Zeit lang unterwegs sind, bis die Flotte endlich auf Content trifft.

Amelie (lacht):

Entweder das oder es kommt alles auf einmal, oder?

ONeill HGM (lacht):

Ja, wir wurden schon des öfteren ganz gut auf Trab gehalten. Eines Abends waren wir beispielsweise mit einer Venture Flotte unterwegs, als urplötzlich eine Lachesis vor meiner Nase auftauchte, welche im nächsten Moment bereits ein Cyno aufriss um Verstärkung in Form eines Capitals durchspringen zu lassen. Allerdings warteten wir in diesem Augenblick nicht einfach auf unseren Tod, sondern überhitzten unsere kleinen Waffen so stark, dass wir das gegnerische Subcapital Schiff zerlegt bekamen, bevor der Rest seiner Flotte zu uns stoßen konnte. Im Anschluss an diesen Kill sind wir jedoch zügig docken gegangen.

Amelie (lacht):

Hört sich so an, als ob Du gar nichts spezielles vorbereiten müsstest, weil die abgefahrensten Sachen von alleine passieren?

ONeill HGM (lacht):

Das könnte man so sagen, ja. Nichtsdestotrotz darf man dabei nicht vergessen, dass die benachbarten Corporationen natürlich wissen, wo die regulären Einstiegspunkte unserer Flotte liegen – immerhin machen wir das alles nicht erst seit gestern. Und das kann unter Umständen dann dazu führen, dass auf der anderen Seite des Gates bereits eine riesige Flotte auf Dich und deine Truppe wartet. Von daher fungieren die Sonntagsflotten sozusagen ebenfalls als ein Contentgenerator für außenstehende Kapselpiloten.

Amelie (lacht):

Und diese für euch als eine Art Wundertüte?

ONeill HGM (lacht):

Genau, wir wissen nie was uns hinter dem nächsten Sprungtor erwartet. Der einzige Nachteil bei der Geschichte ist, dass man auf Grund dieser Gegebenheiten einiges an Vorbereitungen treffen muss. Denn Ich möchte als FC ja verhindern, dass die Leute direkt zu Beginn des Abends über die Planke gehen müssen – was insbesondere wegen den Spies in den eigenen Flotte manchmal doch etwas kniffelig ist.

Amelie (lacht):

Die Verräter sitzen aber auch wirklich überall!

ONeill HGM:

Selbstverständlich. Erst vor wenigen Wochen nahm beispielsweise jemand an unserer Fleet teil der uns eine komplette T2 Flotte auf den Hals hetzte. Wir sind also durch das Gate gesprungen und dachten, dass wir jeden Moment drauf gehen würden und gegen die Feinde keinerlei Chance hätten. Jedoch kristallisierten wir uns im Laufe des Kampfes immer mehr als Sieger heraus, da die Gegner den Fehler machten vereinzelnd und nicht als Gruppe aufs Grid zu warpen.

Amelie:

Das klingt auf jeden Fall nach einer Menge Action! Wie kann ich mir denn überhaupt allgemein den Ablauf eines solchen Events vorstellen?

ONeill HGM:

Grundlegend treffen wir uns alle um 20.00 Uhr im Staging und beenden die Flotte erst wieder, wenn die letzten von uns docken gehen – meist gegen 04.00 Uhr in der Früh. Allerdings soll sich keiner dazu verpflichtet fühlen den ganzen Abend aktiv an der Veranstaltung teilnehmen zu müssen. Im Gegenteil, man kann sich jederzeit dazu gesellen oder ausklinken.

Amelie (lacht):

Bis 04.00 Uhr morgens? Was treibt ihr so lange?

ONeill HGM:

Nun ja manche mögen mich dafür verfluchen, andere hingegen lieben es. Denn generell bin ich ein PVPler der seine Flottenmitglieder für das jeweilige Objective auch in den Tod schicken würde. Dementsprechend suche ich mir zu Beginn des Events ein erreichbares Ziel aus und versuche dieses dann mit allen Mitteln zu erreichen – wobei der ein oder andere Pilot natürlich draufgehen kann. Aufgrund dessen würde ich mich nicht als den vorsichtigen FC betiteln, der auf Range kämpft und dafür sorgt das bloß keiner seiner Jungs ins Gras beißt. Im Gegenteil, ich präferiere da ganz klar die Methode des Hit and Run: Ich bringe die Flotte also aufs Feld, haue so viel Schaden raus wie es uns möglich ist und warpe die Mannschaft danach wieder auf einen sicheren Spot. Da wir bei solchen Aktionen jedoch nicht immer unversehrt davon kommen, müssen die Leute unter Umständen schon bis zu fünf oder sechs mal reshippen.

Amelie:

Und wer ist der Glückliche der die ganzen Schiffe bezahlen darf?

ONeill HGM:

Ich betreibe bei meinen Flotten ein kleines SRP Programm, bei welchem die erfahreneren Spieler einen Teil des Geldes wiederbekommen und die blutigen Anfänger eine volle Rückerstattung ihres Verlustes erhalten.

Amelie:

Schön zu wissen das man nicht alleine auf all den Kosten sitzen bleibt. Aber ist so ein Abend für Dich als FC nicht auch super anstrengend?

ONeill HGM:

Grundsätzlich habe ich meist immer ein paar erfahrene Kapselpiloten an meiner Seite, welche wissen was sie zu tun haben. Daher ist es nicht schlimm wenn ich um 04.00 Uhr in der Früh nur noch Unsinn rede – insbesondere wenn sich die Veranstaltung im Laufe des Abends zu einem Drunken Roam entwickelte oder der FC einfach mal Lust auf ein leckeres Bierchen beziehungsweise einen ganzen Kasten gehabt hat. Obgleich wir bei uns dennoch eine hohe Flottendisziplin pflegen.

Amelie:

Welche Voraussetzungen muss ich eigentlich erfüllen um an einem der Events teilnehmen zu dürfen?

ONeill HGM:

Ich versuche die Anforderungen immer möglichst gering zu halten, damit selbst diejenigen die keine Ahnung von dem Spiel haben daran teilnehmen können. Gleichzeitig möchte ich den Flotten jedoch auch einen professionellen Touch verleihen, so dass sich die alten Hasen nicht allzu sehr unterfordert fühlen müssen. Generell bin ich aber der Ansicht, dass man die Voraussetzungen bei einem Public Event nicht allzu hoch ansetzen sollte, weil die interessierten Leute vielleicht sonst nicht in der Lage sind diese zu erfüllen.

Amelie:

Wo wir gerade schon bei dem Thema Teilnahme sind, würde es mich ebenfalls interessieren, wie zufrieden Du eigentlich mit der bisherigen Beteiligung an deinen Flotten bist?

ONeill HGM:

Dadurch das ich die Veranstaltung in drei verschiedenen Verteilerlisten ankündige kommen an und für sich genügend Leute zusammen.

Amelie:

Das freut mich zu hören! Möchtest Du denn an dieser Stelle noch mal die Gelegenheit nutzen um den Lesern etwas mit auf den Weg zu geben bevor wir das Gespräch gleich beenden werden? Notfalls kannst Du auch einfach einen Kasten Bier mit uns teilen.

ONeill HGM (lacht):

Das wäre eine super Idee. Allerdings bleiben wir heute lieber nüchtern. Was ich den Leuten jedoch gerne mit auf den Weg geben würde wäre, dass sie den diversen Verteilerlisten beitreten sollten, sofern sie sich für die Teilnahme an einer Public Flotte interessieren. Dort gibt es nämlich meist vorab schon wichtige Informationen, insbesondere was die Fittings und das jeweilige Staging angeht. Nichtsdestotrotz würde ich den Piloten bei all der Euphorie ebenfalls gerne ans Herz legen, auf die teure bling bling Ausrüstung zu verzichten und lieber zu der Meta beziehungsweise T2 Variante zu greifen. Denn dann tut ein möglicher Verlust nur halb so weh.

Amelie:

Das werde ich gerne so weiterreichen. In diesem Sinne möchte ich mich ganz herzlich bei Dir für deine Kooperation bedanken und wünsche Dir vom Herzen alles Gute!

1 Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.