Wer ist eigentlich..? | 006

Der PVP-Kritiker

..warum der blaue Donut nicht jedem schmeckt

 

Amelie:

Hallo Strahlenkind! Nachdem wir am vergangenen Mittwoch bereits über das Trainingsformat Harden the F*ck up gesprochen haben, möchte ich im heutigen Interview ein wenig mehr über Dich selbst in Erfahrung bringen. Dabei wäre es natürlich interessant zu wissen wer Du überhaupt in EVE bist?

Strahlenkind ’41:

Ich würde mich selbst eher als einen kampforientierten Charakter beschreiben, der gerne auf irgendwelche Sachen ballert.

Amelie (lacht):

Das nenne ich mal eine ziemlich klare Ansage. Wie lange spielst Du eigentlich schon EVE und wie bist Du damals auf dieses Spiel aufmerksam geworden?

Strahlenkind ’41 (lacht):

Uff.. das ist eine gute Frage. Ich glaube ich bin achtzehnhundert-irgendwas, als die Welt noch schwarz weiß gewesen ist und ich ein Student war, über eine Werbung mit Raumschiffen gestolpert. Und genau dieses beworbene Game hat mich seitdem einfach nicht mehr losgelassen – selbst nach zehn vollendeten Dienstjahren.

Amelie (lacht):

Was begeistert Dich denn so sehr an EVE, dass Du bis heute nicht mehr davon los gekommen bist?

Strahlenkind ’41:

In erster Linie gefallen mir die nichtlinearen Handlungsabläufe. Denn gerade zu dem damaligen Zeitpunkt gab es viele Spiele, welche eine doch recht starre Struktur aufwiesen. Da hieß es meist, dass man losziehen und fünf Wölfe erschlagen solle. Woraufhin man dann den Imba Hammer of Doom bekommen würde, mit dem man wiederum fünf Bären töten müsse. Prinzipiell also eine Endlosspirale auf dem Weg zum Server-Highscore. Allerdings bin ich niemand, der einfach nur einem langweiligen Punktestand hinterherjagen möchte.

Und gerade deswegen hat mich EVE so in seinen Bann gezogen – immerhin steht EVE für Risiko. EVE steht für Adrenalin. EVE steht für das Aufbauen von eigenen Ideen im Sinne von einer Corporation oder Allianz. Somit war dieses MMORPG für mich seiner Konkurrenz weit voraus, da es nicht darauf fokussiert war demselben Spielprinzip wie alle anderen zu folgen. Es war also etwas ganz besonderes sich in einer  weitläufigen und von Spielern vorangetrieben Welt bewegen zu dürfen, wo der Verlust seiner Assets einem plötzlich durchaus wehtun konnte und nicht länger ein triviales Ereignis wie in manch anderen Titeln war. Wahrscheinlich ist es auch genau dieser Faktor welcher den Reiz ausmacht anderen Spielern etwas wegzunehmen, Sachen zu zerstören beziehungsweise zu verteidigen und gleichzeitig irgendwo auch ein kleines bisschen Einfluss auf die Geschichte von New Eden auszuüben. Der Sieg hat in diesem Game also eine ganz andere Bedeutung, weil man, im Gegensatz zu einem durchschnittlichen Shooter, nicht einfach auf die Respawn-Taste drücken kann um mit dem selben Stand wie vorher weiter zu machen.

Amelie:

Das heißt Dir gefällt die Tatsache, dass man in EVE Online von heute auf morgen alles verlieren kann und die Karten unter den Spielern somit teilweise vollkommen neu gemischt werden? Das hört sich wirklich nach einem kampfbegeisterten Piloten an.

Strahlenkind ’41:

Ja, der bin ich definitiv. Ich persönlich denke auch, dass der mittlerweile zunehmend abnehmende Risikofaktor dem Spiel eine seiner ursprünglichen und wichtigsten Charakteristiken wegnimmt.

Amelie:

Was gefällt Dir eigentlich am PVP? Es gibt ja immerhin auch einige Spieler, die bei diesem Thema am liebsten die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und schnell das Weite suchen würden.

Strahlenkind ’41:

Am meisten gefällt mir, dass die Handlungen im PVP auf den Entscheidungen der jeweiligen Teilnehmer basieren. Weiterhin ist man in den Kämpfen durchaus gefordert, da man ja wissen muss was man selber tut, wie die dahinterliegenden Mechaniken funktionieren und wozu die involvierten Schiffe überhaupt in der Lage sind. Außerdem ist man so gut wie immer auf ein Team angewiesen, was ebenfalls einigermaßen effektiv funktionieren muss – abgesehen von den drei Solo Fights die es eventuell noch irgendwo gibt.

Amelie (lacht):

Gut dem kann ich zustimmen. Wie hast Du denn damals zum PVP gefunden?

Strahlenkind ’41:

Für diese Antwort würde ich gerne ein bisschen weiter ausholen. Und zwar war ich zu Beginn meiner EVE Karriere zunächst ein Teil einer Corporation, welche ausschließlich aus Anfängern bestand, die sich das Spiel Stück für Stück selbst erarbeitet haben. Im Laufe der Zeit beschränkten sich die Tätigkeiten der Mitglieder allerdings nur noch auf die ganzen Carebearaktivitäten und keiner in der Corporation hatte eine ungefähre Ahnung davon, was er mit dem Begriff PVP überhaupt anfangen sollte. Immerhin betrieben das ja nur die bösen Jungs, die ständig versuchten einem etwas wegzunehmen.

In diesem Atemzug erinnere ich mich auch noch sehr genau an meinen ersten Feindkontakt zurück, als ich mit einem meiner T1 Schiffe vollkommen ahnungslos im Belt gestanden habe und plötzlich zwei Gegner auf meine Position warpten. In dem Augenblick schien dann alles gleichzeitig zu passieren. Ich saß also mit zweihundert Puls vor meiner Tastatur und wusste gar nicht so recht wie mir geschieht. Alles was ich in diesem Moment realisiert habe war, dass das alles furchtbar aufregend gewesen ist.

Daraufhin bin ich irgendwann, nach knapp anderthalb Jahren Spielzeit, einer viel PVP enthusiastischeren Truppe beigetreten. Dort gab es auch Mitglieder, welche die Neuen an die Hand genommen und an die Kampfmechaniken herangeführt haben – vergleichbar mit den Trainingseinheiten die wir heutzutage abhalten. Und nachdem man nach einer gewissen Zeit die ersten Killmails abgestaubt und somit Blut geleckt hatte, befand ich mich mehr oder weniger in einer Endlosschleife. Es bereitete mir nämlich sehr viel Freude in der Gruppe etwas zu erreichen und die fortwährenden Erfolge machten Lust auf mehr.

Wohingegen man im PVE also immer mehr zum Eigenbrötler geworden ist, weil man mit der Zeit und den aufkommenden Skills, mehr oder weniger alles alleine konnte, wurde man im PVP mit der Tatsache konfrontiert, dass man im Team arbeiten und für die gesamte Mannschaft effektiv spielen muss. Das war schon ein geiles Gefühl.

Amelie:

In was für Rollen kann man Dich denn während so einer Flotte antreffen?

Strahlenkind ’41:

Aktuell übernehme ich des öfteren die Aufgaben des Logistikers. Es ist also mein Job in der zweiten Reihe zu stehen und die Flotte am Leben zu erhalten. Grundsätzlich besetze ich aber auch alle andere Rollen.

Amelie (lacht):

Interessant. Sofern ich mich noch recht entsinne war die Rolle des Logistikers doch immer mehr als unbeliebt, oder? Immerhin konnte man sich mit diesen Schiffen ja auf keine Killmails huren. Du machst den Job dennoch freiwillig?

Strahlenkind ’41:

Ja das war in diversen Spielergruppen durchaus ein großes Problem, was manche Piloten regelrecht zum Übernehmen dieser Rolle gezwungen hat. Generell ist die Aufgabe des Logistikers aber gar nicht so schlecht wie immer alle denken. Denn ein wenig Logi-Love verteilen macht beliebt und durch den Drohnenhangar können sich die Piloten ab und zu auch mal auf eine Killmail schummeln. Und wenn wir mal ehrlich sind, ist die Rolle des Logis einfach unheimlich wichtig. Außerdem ist es nach zehn Jahren doch echt egal ob man nun zweitausend oder zehntausend Kills auf seinem Brett stehen hat.

Amelie:

Hast Du eigentlich irgendwelche PVP Spieler beziehungsweise FCs, die Du Dir selbst heute noch als Vorbild nimmst oder an denen Du Dich früher einmal orientiert hast?

Strahlenkind ’41:

Als ich damals in EVE groß geworden bin gab es davon sogar jede Menge – SirMolle (BoB), Chronos VIII (Ev0ke) oder Elo Knight (Black Legion) hinterließen sicherlich ihre jeweils ganz eigenen Fußabdrücke in diesem Spiel und haben, sowohl als Gegner als auch Alliierter, Einfluss auf meine Entwicklung als Spieler genommen. Andererseits verblassen diese Idole mit der Zeit und man reiht sich selbst zwischen ihnen ein, da man irgendwann an den Punkt kommt, wo man vom Vorbild zum selber machen wechselt. Sollte mich also ein Thema, eine neue Technik oder ein Schiff interessieren, lese ich mir etwas darüber durch, studiere das alles in der Theorie und probiere es danach so lange in der Praxis aus, bis ich es kann.

Amelie:

So wie ich das unserem letzten Gespräch entnehmen konnte präferierst Du ja eher die kleinen Kämpfe. Würdest Du Dich denn auch Solo aufs Feld trauen um gewisse Dinge auszuprobieren?

Strahlenkind ’41:

Das ist eine interessante Angelegenheit. Auf der einen Seite geb ich Dir recht – ich stehe total auf kleine Arrangements die sich zwischen drei und zwanzig Mann abspielen. Andererseits habe ich so gut wie keine eigene Solo PVP Erfahrung, da ich solche Kämpfe in der Regel auch versuche zu vermeiden. Warum das jedoch so ist? Keine Ahnung. Generell habe ich ja schon ein paar solcher Fights hinter mir und habe gefallen an dem Adrenalinschub gefunden, dem einen die ganze Sache gibt, insbesondere wenn man in der Unterzahl kämpft. Am Ende lande ich dennoch jedes mal aufs neue wieder in der Gruppe. Was ich mir selbst irgendwie nicht so recht erklären kann.

Amelie:

Was war denn deiner Meinung nach eines deiner spannendsten PVP-Erlebnisse?

Strahlenkind ’41 (lacht):

Uff.. welches von den tausenden? Nein, also es gab mal einen netten Kampf in Stain, welcher schon Jahre her ist. Damals bin ich in einer Ishtar unterwegs gewesen und war ein wenig von dem Rest meiner Flotte abgeschnitten, als ich plötzlich von zwei Vagabonds angegriffen wurde. Das war ein unglaublich spannender Moment, weil alle Beteiligten genau wussten was sie taten und was ihr Schiff kann beziehungsweise nicht kann. Im Laufe des Gefechts hatte ich es dann irgendwann fast geschafft vom Grid zu flüchten, als ich mich doch dazu entschied noch einmal umzudrehen und mein Glück zu versuchen, da ich meine Chance witterte einen Kill zu landen, als sich einer der Gegner etwas dämlich anstellte. Allerdings ging mein Vorhaben voll nach hinten los und ich verlor haushoch – sprich ich fuhr mein Schiff gegen die Wand und schaffte es noch nicht mal einen der Gegner mit in den Tod zu reißen. Dennoch war es einfach mega spannend und hat auch sehr viel Spaß gemacht.

Amelie (lacht):

Das heißt es kommt beim PVP gar nicht immer aufs gewinnen an?

Strahlenkind ’41 (lacht):

Auf keinen Fall. Wenn ich nur daran denke was ich schon alles an Assets versenkt habe, das kann man schon gar nicht mehr zählen. Ich meine, sicherlich macht es Spaß zu gewinnen. Immerhin gibt es einem die Bestätigung das man gut war und alles richtig gemacht hat. Jedoch ist ein guter Kampf nicht zwangsläufig ein gewonnener.

Amelie:

Gibt es denn bei all der Faszination auch irgendetwas was Du an PVP nicht magst?

Strahlenkind ’41:

Sicher! Und zwar die ganzen großen Blobfights im NullSec oder die Arbeit der sogenannten F1 Drohne, welche dem FC lediglich hinterher fliegt und der das eigenständige handeln weitestgehend abgenommen wird. Ich bin dementsprechend kein Freund von dem Prinzip der Masse und der möglichst simplen Spielmechaniken. Aufgrund dessen würde mich so ein Kampf auch überhaupt nicht reizen. Selbst wenn ich demnächst wieder im NullSec unterwegs sein werde und dann an solchen Fights partizipieren muss. Es ist für mich also eher ein notwendiges Übel als ein festgelegtes Ziel, da ich solche Arrangements einfach nicht spannend finde. Klar mag es für manche ein tolles Gefühl sein mit mehreren hundert Killmailbeteiligungen nach Hause zu gehen. Allerdings ist Quantität kein Garant für gutes PVP.

Amelie:

Was würdest Du denn jemanden raten, der sich noch nie getraut hat PVP zu betreiben?

Strahlenkind ’41:

Er sollte es einfach mal ausprobieren. Denn selbst wenn er anfängliche Schwierigkeiten haben sollte, lernt er mit der Zeit Stück für Stück dazu und verbessert sich mit jedem absolvierten Kampf. Das bedeutet, dass er sowohl aus den Erfolgen als auch aus den Verlusten wertvolle Erfahrungen ziehen kann. Und wenn das alles keine Früchte tragen sollte, kann er sich immer noch passende Leute suchen, die ihm dabei unter die Arme greifen.

Amelie (lacht):

Anfangen und Blut lecken? Ich glaube das hat uns alle irgendwann geholt. Wie lange sitzt Du eigentlich circa täglich vor dem PC um EVE zu spielen?

Strahlenkind ’41:

Ich glaube unter der Woche sind es so zwei bis drei Stunden. Wohingegen es am Wochenende durchaus bis zu zehn Stunden werden können.

Amelie:

Alles klar. Da bliebe nur noch die Frage offen, ob Du unseren Lesern zum Abschluss des Interviews irgendetwas mit auf den Weg geben möchtest?

Strahlenkind ’41:

Macht mehr PVP – es ist geil!

Amelie (lacht):

Das reiche ich gerne so weiter. Dann möchte ich mich erneut bei Dir für deine Zeit bedanken und wünsche Dir noch jede Menge nettes pew pew.

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