Wer ist eigentlich..? | 015

Das Kind der Tyrannis-Ära

..über die Balance zwischen Böse und nicht so Böse

 

Amelie:

Hallo Jezaja! Nachdem wir uns am vergangenen Mittwoch bereits über den Giant Secure Container unterhalten haben, möchte ich im heutigen Gespräch noch etwas mehr über Dich selbst in Erfahrung bringen. Am besten fangen wir mit einer kleinen Vorstellung an, so dass Du den Lesern zunächst erstmal erzählst wer Du überhaupt in EVE bist?

Jezaja:

Wer bin ich und wenn ja wie viele. Kann ich die Frage auch mit einem meiner Blogposts beantworten?

Amelie (lacht):

Jetzt sei mal nicht so faul!

Jezaja (lacht):

Ich bin ein EVE Spieler. Was ist das also für eine Frage?

Amelie (lacht):

Es ist eine Art Selbstreflexion mit deren Hilfe Du den Lesern vermitteln kannst wie Du Dich eigentlich selbst siehst beziehungsweise wie andere Spieler Dich wahrnehmen könnten.

Jezaja:

Diesbezüglich würde ich tatsächlich gerne auf einen meiner älteren Beiträge verweisen welcher “Tyrannis Child” heißt. In diesem Blogpost geht es um das Add-On Tyrannis und den zugehörigen Trailer, welcher mich damals sofort angesprochen hat.

Amelie:

Worum ging es dabei?

Jezaja:

Es geht darum, dass jemand mit seinem Schiff von der Station abdockt und sich direkt in einer gewaltigen Raumschlacht befindet. Während der Szene beginnt dann eine Stimme zu erzählen, dass jener Pilot nach New Eden gekommen sei um Wohlstand und Ruhm zu erlangen. Urplötzlich wird die Geschichte zum Anfang zurückgespult und man sieht, wie derjenige als Industrieller ins Spiel einsteigt und Mining, sowie PI betreibt. Bis eines Tages die verschiedensten Interessen aufeinander treffen und sich daraus die eben zu Beginn gezeigte Schlacht entwickelt – Willkommen in EVE Online.

Amelie:

Wieso hat Dich dieser Trailer angesprochen?

Jezaja:

Er hat mich inspiriert und interessanterweise habe ich im Laufe meiner EVE Karriere sogar den dort beschriebenen Weg eingeschlagen. Demnach beginnt meine Geschichte ebenfalls im industriellen Bereich und endet im kampforientierten Teil des Spiels, nämlich im Faction Warfare. Deswegen sehe ich mich als Kind der Tyrannis-Ära und finde den Verlauf meines Gameplays ehrlich gesagt ausgesprochen schön. Ganz am Anfang hätte ich mir dabei jedoch niemals vorstellen können, dass ich mich irgendwann im LowSec oder einem Wurmloch sicherer bewegen würde als im HighSec.

Amelie:

Und wie könnten andere Dich wahrnehmen?

Jezaja (lacht):

Ich für meinen Teil bin mir ziemlich sicher, dass mir jeder beipflichten würde, wenn ich sage, dass ich teilweise sehr arrogant sein kann.

Amelie (lacht):

Echt? Dann versteckst Du diese Eigenart aber ziemlich gut!

Jezaja (lacht):

Lass Dich nicht täuschen. Wenn mir jemand richtig auf die Nerven geht kann ich manchmal schon ziemlich herablassend und provozierend sein. Aber genau deswegen fühle ich mich ja auch im Metagaming von EVE wie Zuhause.

Amelie:

Ist es demnach das Metagaming was Dich seit jeher an dieses Spiel fesselt?

Jezaja:

Auf jeden Fall. Erst vor kurzem habe ich zum Beispiel jemanden im Faction Warfare abgeschossen, woraufhin er mir wutentbrannt eine Mail geschrieben hat. Diese Mail habe ich später auf Twitter gepostet und irgendjemand von der Caldari Miliz muss das wohl gesehen und sich gedacht haben, dass er unbedingt einen übelst großen Ballon aus der Geschichte machen muss.

Amelie (lacht):

So nehmen die Dinge ihren Lauf.

Jezaja (lacht):

Das ist ja gerade das schöne daran. Denn ich finde es ehrlich gesagt unglaublich faszinierend wie sich in EVE Online teilweise aufgrund ganz kleiner Sachen etwas riesiges anbahnen kann. Dies motiviert mich auch jeden Tag aufs neue mich ins Spiel einzuloggen und zu schauen, was ich wohl als nächstes anstelle.

Amelie (lacht):

Du bist also ein Fan von kleinen Machtspielchen?

Jezaja (lacht):

Richtig. An die großen habe ich mich nämlich offiziell noch nicht rangetraut.

Amelie (lacht):

Ohman. Wie lange spielst Du eigentlich schon EVE und wie bist Du damals auf das Spiel aufmerksam geworden?

Jezaja:

Ich spiele dieses MMORPG seit ungefähr sieben Jahren und bin dank einem meiner Studienkollegen darüber gestolpert, als derjenige in einer Vorlesung neben mir saß und das Spiel auf seinem Laptop gezockt hat. So hat die Sucht angefangen.

Amelie:

Merkwürdig .. erst letztens hat mit einer meiner Interview-Gäste erzählt, dass dieses Spiel gar nicht süchtig machen würde?

Jezaja (lacht):

Nein, ganz bestimmt nicht. Deswegen brechen die Leute ja auch bloß komplett den Kontakt ab, wenn sie mit dem Game aufhören, damit sie auf gar keinen Fall erneut getriggert werden. Schlussendlich rührt daher auch der bekannte Witz “Ich höre mit EVE auf.” “Alles klar. Bis morgen!”.

Amelie (lacht):

Ohja, das ist wirklich so!

Jezaja (lacht):

Ich hatte sogar erst letztens einen Kommentar unter einem meiner Blogbeiträge, welcher von einem ehemaligen Corp.-Member stammt der seit angeblich drei Jahren kein EVE mehr spielt.

Amelie:

Also würdest Du sagen, dass dieses Spiel einen niemals so richtig los lässt?

Jezaja (lacht):

Genau – EVE 4 EVER!

Amelie:

Für immer ist ja schon eine recht lange Zeit. Hast Du da keine Befürchtung dass Dir eines Tages der Stoff für deinen Blog ausgehen könnte?

Jezaja:

Keineswegs. Denn wenn der Content nicht mehr von alleine kommt, schaffe ich mir eben eigenen.

Amelie (lacht):

Das nenne ich mal ein Versprechen.

Jezaja:

Und das habe ich sogar bereits mehr als einmal erfüllt. Immerhin sitze ich ja nicht völlig unkreativ vor meiner Tastatur herum und warte das etwas passiert, sondern docke ab und begebe mich aktiv auf die Suche nach interessanten Content. Dabei ist es vollkommen irrelevant ob sich dieser nun hinter einem Gank, einer riesigen PVP Flotte oder einem gemütlichen Miningabend mit Freunden verbirgt.

Amelie:

Oder hinter dem Abschuss einer Condor?

Jezaja:

Richtig. Es war doch nur eine Condor!

Amelie:

Abgesehen davon, dass einem irgendwann der Content ausgehen könnte, werden solche Projekte ja oft aufgrund eines nicht vorhandenes Durchhaltevermögens beziehungsweise fehlender Motivation aufgegeben. Was ist dein persönliches Geheimrezept um dem entgegen zu wirken?

Jezaja:

Um ehrlich zu sein hat mir in dieser Hinsicht noch nie die Motivation gefehlt. Ich persönlich denke nämlich, dass man ja nicht zwingend immer irgendwelche großartigen Geschichten erzählen muss, sondern in einem seiner Blogposts auch einfach mal einen Beitrag auf Reddit oder einen Kommentar auf Facebook unter die Lupe nehmen und seine Meinung dazu abgeben kann.

Amelie:

Und das kannst Du gut, oder?

Jezaja:

Selbstverständlich – immerhin besitzt doch jeder eine Meinung.

Amelie:

Was für charakteristische Eigenschaften unterstützen Dich sonst noch bei deiner Blogarbeit?

Jezaja:

Wahrscheinlich ist es meine Arroganz und das unendlich Selbstvertrauen in den Glauben, dass es da draußen irgendjemanden geben muss, den meine Ansichten interessieren und er diese eventuell sogar teilt.

Amelie:

Was ist denn mit den Leuten die deine Meinung nicht teilen?

Jezaja (lacht):

Nun ja die lesen meinen Blog eben nicht oder drohen mir mit einer Klage vom Anwalt.

Amelie :

Du denkst also nicht, dass sich in dieser Hinsicht mal ein Trend wie auf Youtube entwickeln könnte, bei dem die Hater unter jede Folge schreiben wie doof man doch ist?

Jezaja:

So etwas ist mir tatsächlich schon einmal passiert. Allerdings handle ich da getreu dem Motto: Wenn Du einen Troll in EVE hast, troll ihn zurück.

Amelie:

Und angenommen jemand sitzt jetzt gerade vor seinem PC und plant einen eigenen EVE Online Blog auf die Beine zu stellen, wie sollte er das Ganze deiner Ansicht nach angehen?

Jezaja:

Grundsätzlich sollte er sich auf jeden Fall Gedanken über einen gängigen Namen machen.

Amelie:

Das bedeutet?

Jezaja:

Das bedeutet, dass der Name etwas mit EVE Online zu tun haben sollte. Ich für meinen Teil bin beispielsweise mega neidisch auf “pod-express”.

Amelie:

Du findest also das ich meine Seite nicht unbedingt “blümchenwiese” nennen sollte?

Jezaja (lacht):

Nein, das solltest Du nicht. Meiner Meinung nach sollte schon ein gewisser Zusammenhang zu dem Spiel erkennbar sein beziehungsweise zu seinem dortigen Charakter. Danach muss man eigentlich gar nichts weiter beachten, sondern kann sich einfach hinsetzen und drauf los schreiben.

Amelie:

Wenn der Blog dann steht, was wären elementare Medien, um sich und seine Beiträge bekannt zu machen?

Jezaja:

Diesbezüglich würde ich demjenigen ganz klar dazu raten sich bei eveblogs.de eintragen zu lassen. Denn jeder, der sich für solche Blogs interessiert, kennt diese Seite in der Regel. Ansonsten gibt es da noch die sozialen Netzwerke wie Twitter oder Facebook.

Amelie:

Gibt es denn deines Empfindens nach noch viele Leute, die sich für das Lesen eines Blogs interessieren? Mir wurde nämlich direkt zu Beginn fett aufs Butterbrot geschmiert, dass so ein Text ja lediglich ein totes Stück Papier wäre.

Jezaja:

Ich würde schon sagen, dass sich die Interessen der Leute hinsichtlich solcher Sachen eindeutig verschoben haben. Früher war es beispielsweise so, dass Blogs und Podcasts die absoluten Renner waren, wohingegen in den letzten Jahren eher Medien wie Twitch und Youtube gehyped werden.

Amelie:

Würdest Du eigentlich behaupten, dass sich die Qualität der Beiträge auf den diversen Plattformen unterscheidet?

Jezaja:

Ja, ich persönlich bin der Meinung, dass die Beiträge auf den verschiedenen Blog- und Podcastseiten qualitativ wesentlich hochwertiger sind und waren als Videos auf Youtube oder Clips auf Twitch.

Amelie:

Woran liegt das?

Jezaja:

Das liegt daran, dass sich die Ersteller eines Blogposts oder Podcasts vorher genauestens überlegen worüber ihr Beitrag handeln soll oder welche Gäste sie sich zu dem Thema einladen. Während die Macher von Youtubevideos heutzutage lediglich meist auf Record drücken und eine nichts sagende Aufnahme hochladen, ohne das Ganze in irgendeiner Art und Weise editiert zu haben. Allerdings gebe ich zu, dass ich das manchmal auch noch mache.

Amelie:

Hat sich das denn erst im Laufe der Zeit so entwickelt oder war das bei solchen Produktionen schon immer so?

Jezaja:

Das hat sich tatsächlich erst im Laufe der Zeit so entwickelt. Denn vor fünf oder sechs Jahren beinhalteten die EVE Online Videos noch narrative Inhalte und waren aufgrund dessen wesentlich interessanter, als die zehntausend l33t-pvp-ololo-roxor Videos mit krasser Wumsmusik, die man heutzutage auf Youtube vorgeschlagen bekommt, wenn man nach EVE Online sucht. Dementsprechend fand ich damals Beiträge wie Droneland Wars und Days of Darkness I + II richtig gut. Wohingegen die heutigen Videos einfach keinen Spaß mehr machen, was für mich ehrlich gesagt eine ziemlich enttäuschende Entwicklung ist.

Amelie:

Was würdest Du Dir stattdessen genau wünschen?

Jezaja:

Ich fände es besser wenn wir über unseren Content Geschichten erzählen würden. Denn falls wir lediglich weiterhin unverdauten Inhalt auskotzen, wie ein 5-jähriger mit Grippeinfekt, werden wir über kurz oder lang keine neuen Leute für EVE begeistern können.

Amelie:

Hast Du Dich bislang eigentlich selbst mal an so einem Beitrag versucht?

Jezaja:

Ja, ich habe tatsächlich mal versucht den Stil der alten Videos zu kopieren, deshalb weiß ich auch wie schwierig und zeitaufwändig das alles ist.

Amelie:

Was war das Resultat deines Testversuchs?

Jezaja:

Dabei ist ein ziemlich schlecht editiertes Video namens “J142941 Homedefense” herausgekommen, von welchem ich allerdings irgendwann mal noch eine neue Version machen werde. Versprochen!

Amelie:

Denkst Du denn, dass die Faszination bezüglich Youtube und Twitch daher rührt, dass die Leute für die Informationsaufnahme nichts mehr tun müssen?

Jezaja:

Definitiv. Solche Beiträge kann man nämlich getrost im Hintergrund laufen lassen, während man zum Beispiel kocht oder den Hausputz erledigt. Im Gegensatz zu einem Blogpost oder Podcast, wo man aktiv lesen oder zuhören muss um die Inhalte zu verstehen. Und heutzutage ist eben niemand mehr großartig dazu bereit seine Zeit in so etwas zu investieren.

Amelie:

Wo wir gerade schon bei dem Thema Zeit sind – wie lange sitzt Du eigentlich circa täglich vor dem PC um EVE zu spielen?

Jezaja:

Nach dem Halloween Massaker von CCP, wo so viele Leute spontan entlassen wurden, bin ich ehrlich gesagt momentan nicht ganz so oft in New Eden anzutreffen. Das mag vielleicht großteils daran liegen, dass ich einige dieser Leute kannte und immer noch ein wenig daran zu knabbern habe. Obgleich ich mir sicher bin, dass ich spätestens zum Frühling wieder voll dabei sein werde.

Amelie:

Verständlich. Gibt es sonst noch etwas was Du unseren Lesern mitteilen möchtest?

Jezaja:

Ja und zwar würde ich gerne in Erfahrung bringen, was eigentlich mit den Spielern verkehrt ist, die die ganze Zeit ausschließlich im HighSec leben. Denn diejenigen sollen sich doch bitte endlich spieltechnisch weiterentwickeln und zum Beispiel mal einen Abstecher ins LowSec oder 0.0 machen um neue Erfahrungen zu sammeln. Und wenn es da draußen tatsächlich jemanden gibt, der mich über das Phänomen aufklären möchte, warum manche Leute teilweise seit zehn Jahren oder länger im Hochsicherheitsgebiet hocken, möge derjenige gerne seine Stimme erheben und einen Kommentar unter dem Beitrag lassen.

Amelie:

Das könnte gegebenenfalls in einer sehr interessanten Diskussion enden. Dann bedanke ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bei Dir für deine Zeit und wünsche Dir für deine Zukunft alles Gute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.